Mitwirkende:
James Conlon, Herbert Blomstedt, Roger Norrington, Nikolaus Harnoncourt, Wolfgang Sawallisch, Ben Heppner, Elisabeth Schwarzkopf, Edda Moser, Nicolai Gedda, Claudio Arrau, Thierry de Brunhoff, Gidon Kremer, Barry Tuckwell, Sharon Kam, Gervase de Peyer, Sabine Meyer, Paul Crossley, Consortium Classicum Hermann Prey
Carl Maria von Weber: Zwischen Weltbürgertum und deutschem Mythos
Am 5. Juni 2026 jährt sich der Todestag von Carl Maria von Weber zum 200. Mal. Obwohl er oft als »Erfinder der deutschen Nationaloper« abgestempelt wird – befeuert durch den gigantischen Erfolg des Freischütz und die spätere Vereinnahmung durch Richard Wagner –, war er tatsächlich ein weltoffener Kosmopolit. Er mied nationalistisches Denken, beherrschte mehrere Sprachen (Französisch, Italienisch, Englisch und Tschechisch) und ließ sich musikalisch von den unterschiedlichsten Kulturen inspirieren, darunter von Spanien, Asien und dem Nahen Osten. Webers Weg war steinig: Er litt unter einer angeborenen Hüftdeformität und einem Vater, der ihn krampfhaft als »neuen Mozart« vermarkten wollte. Trotz dieses schwierigen Starts und seines frühen Rufs als »eingebildeter Bengel« entwickelte er sich durch die harte Schule bei Abbé Vogler und durch jahrelange praktische Erfahrung als Theaterleiter in Breslau, Prag und Dresden zu einem hochdisziplinierten Profi.
Ein entscheidender Faktor für seinen Erfolg war die Zusammenarbeit mit dem Klarinettisten Heinrich Joseph Baermann. Webers Verständnis für die technischen Möglichkeiten der Klarinette mündete in berühmten Konzerten, die den Weg für seine Operntriumphe ebneten. Sein Meisterwerk Der Freischütz wurde zu einem kulturellen Phänomen und wird bis heute für die visionäre »Wolfsschlucht-Szene« und die perfekte Balance zwischen romantischer Naturidylle und dämonischen Kräften bewundert.
Webers Karriere war geprägt von der Verbindung aus Leidenschaft und Disziplin. Er bewältigte einen enormen beruflichen Druck inmitten persönlicher Krisen, darunter juristische und finanzielle Nöte in Stuttgart, die lang erkämpfte Ehe mit Caroline Brandt und ein lebenslanger Kampf gegen die Tuberkulose. Er verstarb im Alter von nur 39 Jahren in London, kurz nach der erfolgreichen Premiere seiner letzten Oper Oberon. Nun erscheint eine umfangreiche Carl Maria von Weber-Edition auf 18 CDs.